In Adelheidsdorf steht ein denkmalgeschütztes Bahnwärterhaus aus dem Jahr 1845

In Adelheidsdorf steht ein denkmalgeschütztes Bahnwärterhaus aus dem Jahr 1845

„Das Bahnwärterhäuschen in Adelheidsdorf, Auestraße, wurde in das Verzeichnis der Baudenkmale aufgenommen.“ Mit diesen Worten trug das Niedersächsische Landesverwaltungsamt in Hannover in einem Schreiben an die Samtgemeinde Wathlingen am 2. November 1994 dem Umstand Rechnung, dass in der Gemeinde Adelheidsdorf eines der letzten Bahnwärterhäuser in seiner ursprünglichen Gestalt steht.

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Lehrte-Celle war auch der Bau von sechs, auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Adelheidsdorf befindlichen Bahnwärterhäusern mit den Nummern 41 bis 46 abgeschlossen. Die Nummern wurden von der Königlichen Eisenbahndirektion zu Hannover gerechnet. Sie änderten sich mehrfach, so zuerst in 20 bis 25, dann in 13 bis 18, und zuletzt hatten sie die Nummern 35 bis 40 – in direkter Anlehnung an ihre Kilometer-Entfernung vom Hauptbahnhof in Hannover auf dem Schienenweg.

Das Bahnwärterhaus an der Auestraße im Jahr 2008. Foto: Matthias Blazek

Das Bahnwärterhaus an der Auestraße im Jahr 2008. Foto: Matthias Blazek

Die vielen Bahnübergänge in diesem Streckenabschnitt waren in früheren Zeiten notwendig, da der Bahnkörper die alten Wirtschafts- und Verbindungswege durchschnitten hatte.

Die Eisenbahnstrecke Lehrte-Celle wurde im Jahre 1845 in Betrieb genommen. Sie ist eine der ältes­ten Bahnlinien Deutschlands überhaupt. Sie verläuft schnurgerade vom Kopfbahnhof Lehrte über Aligse, Burgdorf, Otze, Ehlershausen nach Celle und in der zwei Jahre jüngeren Verlängerung bis nach Harburg. Sie wurde am 15. Oktober 1845 dem öffentlichen Verkehr freigegeben.

Die Hannoverschen Staatsbahnen legten von Anfang an großen Wert auf die Sicherung der Weg­übergänge. Bereits 1845 gab es auf der Strecke Lehrte-Celle an allen Wegübergängen eine Sicherung mit so genannten „Barrieren“. Jeder Bahnwärter hatte eine oder mehrere solcher Barrieren zu bedienen, die fünf Minuten vor der voraussichtlichen Durchfahrt geschlossen sein mussten. Glockenschläge kündigten jedes beabsichtigte Schließen an. „Schiebebarrieren“ in der Nähe eines Postens bediente der Bahnwärter per Hand. Barrieren auf der Strecke wurden mittels eines Drahtzuges geöffnet. Geschlossen wurden sie durch Nachlassen des Drahtes und durch das Eigengewicht der Bäume.

Der Wegeübergang und das Wärterwohnhaus in Posten 13 wurden geschaffen, weil dort der alte Wirtschaftsweg von dem herrschaftlichen Vorwerk Müggenburg nach dem herrschaftlichen Müggenburger Moor führte. Die Namen der Bahnwärterfamilien, die dort gelebt haben, sind nur lückenhaft überliefert: Knigge (1858), Runge (1866), Christian Enghausen (1896-1926), Maier und Frieda Busse (ab 1935). Schrankendienst haben dort allerdings mehrere Schrankenwärter aus Adelheidsdorf geleistet. Mitunter waren es Kriegsbeschädigte des Ersten Weltkriegs.

Als Joseph Maibaum wegen der Aufhebung der Zollbestimmungen seinen Dienst als Zolleinnehmer bei der Müggenburg 1872 aufgeben musste, trat er den Dienst als Bahnwärter bei Posten 13 an. Das von 1922 bis 1924 geführte Personenverzeichnis der Gemeinde Müggenburg nennt gesondert unter einem halbseitigen Abschnitt Adelheidsdorf die Bewohner der Bahnposten 13 und 14. Aufgeführt ist dort das Bahnwärterehepaar Enghausen. Christian Enghausen, geboren am 7. September 1852 in Westercelle, führte dort die Berufsbezeichnung Weichenwärter, seine Ehefrau Johanne wurde am 14. September 1848 in Celle geboren.

Im Jahr 1966 wurden verschiedene Bahnübergänge dichtgemacht und sukzessive die alten Bahnwärterhäuser abgerissen. Die Schranke in Posten 13 wurde in der folgenden Zeit von 22 Uhr bis 5 Uhr von Posten 14 (Hauptstraße, Eitzert) Tag und Nacht mitbedient. Die letzten Schrankenwärter waren in Posten 13 Otto Reimann, Ernst König, Helmut Renner, Otto Schreier, Johann Tamm und Bernhard Manns.

 

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